Ratgeber
Wirkstoff-Lexikon: was die wichtigsten Pflegestoffe können
Auf jeder Verpackung stehen Wirkstoffe, und fast alle klingen gut. Dieses Lexikon ordnet die wichtigsten ein: was sie können, für wen sie sich lohnen und wo die Grenzen liegen.

Wie du das Lexikon benutzt
Die Wirkstoffe sind nach Aufgabe sortiert, nicht alphabetisch. Denn die Frage lautet selten, was Niacinamid ist, sondern was gegen glänzende Haut hilft. Zu jedem Eintrag steht, was er nachweislich tut, für welchen Hauttyp er sinnvoll ist und was du beim Kombinieren beachten solltest.

Feuchtigkeit binden
Hyaluronsäure bindet ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser und polstert die obersten Hautschichten auf. Sie wirkt sofort spürbar, aber oberflächlich. Wichtig: auf feuchte Haut auftragen und mit einer Creme abschließen, sonst zieht sie in trockener Luft Wasser aus der Haut selbst. Passt zu jedem Hauttyp. Ausführlich in Hyaluronsäure: Wirkung und Anwendung.
Glycerin macht dasselbe, ist billiger und in fast jeder Creme enthalten. Es steht selten auf der Vorderseite, arbeitet aber zuverlässig.
Urea bindet Wasser und löst ab etwa fünf Prozent zusätzlich Verhornungen. Deshalb sitzt sie in Produkten für rissige Fersen und schuppige Schienbeine. Auf gereizter Haut kann sie brennen.
Aloe Vera spendet Feuchtigkeit und beruhigt gleichzeitig. Ein guter Einstieg für empfindliche Haut, siehe Aloe Vera in der Hautpflege.
Barriere stärken
Ceramide sind Bestandteile der hauteigenen Kittsubstanz zwischen den Hornzellen. Sie füllen Lücken und sind bei trockener, gereizter und zu Neurodermitis neigender Haut die sinnvollste Ergänzung überhaupt. Sehr gut verträglich.
Panthenol beruhigt, fördert die Regeneration und juckt praktisch nie. Der Klassiker nach Sonnenbrand, Rasur oder zu viel Peeling.
Sheabutter legt sich als reichhaltiger Film auf und schützt vor Wasserverlust, siehe Sheabutter: für wen sie sich lohnt.
Schneckenschleim kombiniert Feuchtigkeitsbindung mit regenerationsfördernden Bestandteilen. Wie viel davon belegt ist, steht in Was kann Schneckenschleim.
Struktur verbessern
Retinol ist der am besten untersuchte Anti-Age-Wirkstoff überhaupt. Es beschleunigt die Zellerneuerung und regt die Kollagenbildung an. Der Preis dafür: eine Eingewöhnungsphase mit Schuppung und Rötung über vier bis sechs Wochen. Abends anwenden, langsam steigern, tagsüber zwingend Sonnenschutz.
Peptide sind Signalstoffe, die der Haut Impulse zur Kollagenbildung geben. Deutlich milder als Retinol, dafür langsamer. Gut für alle, die Retinol nicht vertragen, siehe Peptide in der Hautpflege.
Vitamin C wirkt als Antioxidans gegen Umweltschäden, hellt Pigmentflecken auf und unterstützt die Kollagenbildung. Morgens auftragen, wo es den Sonnenschutz ergänzt. Empfindlich gegen Licht und Luft, deshalb dunkle Verpackungen.
Talg und Poren regulieren
Niacinamid reguliert die Talgproduktion, verfeinert das Hautbild und stärkt nebenbei die Barriere. Einer der wenigen Wirkstoffe, die fast jeder verträgt und die sich mit fast allem kombinieren lassen.
Salicylsäure ist fettlöslich und kommt in die Pore hinein. Erste Wahl bei Mitessern und fettiger Haut, siehe Salicylsäure richtig anwenden.
Zink wirkt entzündungshemmend und talgregulierend, oft in Masken.
Oberfläche glätten
Fruchtsäuren wie Glykol- und Milchsäure lösen die Verbindung zwischen abgestorbenen Hornzellen. Sie machen die Oberfläche glatter und lichtempfindlicher, weshalb Sonnenschutz Pflicht ist. Ein- bis zweimal pro Woche reicht.
Enzyme aus Papaya oder Ananas arbeiten milder als Säuren und eignen sich für empfindliche Haut.
| Kombination | Problem | Besser |
|---|---|---|
| Retinol + Fruchtsäure | zusammen zu reizend für die meisten | an verschiedenen Abenden |
| Retinol + Vitamin C | unterschiedliche pH-Bereiche, schwächen sich ab | Vitamin C morgens, Retinol abends |
| Mehrere Säuren | Barriereschaden | eine auswählen |
| Retinol + Benzoylperoxid | hebt die Wirkung teilweise auf | zeitversetzt anwenden |
Gut kombinieren lassen sich dagegen Niacinamid mit fast allem, Hyaluronsäure mit allem, und Ceramide als Abschluss über jedem Wirkstoff.
Ein neuer Wirkstoff, vier Wochen Zeit, dann bewerten. Wer zwei gleichzeitig einführt und die Haut reagiert, weiß hinterher nicht, welcher es war. Wer nach zehn Tagen wechselt, sieht nie ein Ergebnis. Mehr dazu in Wie lange dauert es, bis Pflege wirkt.
Was auf keiner Liste fehlen darf
Der wirksamste Anti-Age-Wirkstoff ist keiner aus dem Tiegel, sondern Sonnenschutz. Ohne ihn arbeiten alle anderen gegen einen Schaden an, der täglich neu entsteht. Wer nur ein Produkt konsequent benutzt, sollte dieses wählen.
Welche Produkte welchen Wirkstoff enthalten, siehst du unter Alle Produkte. Die vier Linien im Überblick stehen auf Aurodhea, Peptilux, MoniAmori und Lolüm.
Zum Nachschlagen: das Inhaltsstoff-Lexikon
Für die wichtigsten Stoffe gibt es inzwischen eigene Nachschlageseiten mit Wirkung, Anwendung und den häufigsten Fehlern, gesammelt im Inhaltsstoff-Lexikon:
Häufige Fragen
Wie viele Wirkstoffe sollte ich gleichzeitig benutzen?
Für die meisten reichen ein bis zwei aktive Wirkstoffe. Mehr bedeutet mehr Reizpotenzial ohne entsprechenden Zusatznutzen.
Sind natürliche Wirkstoffe besser als synthetische?
Nicht grundsätzlich. Entscheidend sind Konzentration, Stabilität und Verträglichkeit, nicht die Herkunft. Manche Pflanzenextrakte reizen stärker als gut formulierte synthetische Stoffe.
Woran erkenne ich die Konzentration?
Selten direkt. Ein Hinweis ist die Position in der Inhaltsstoffliste: Was hinter den Konservierungsstoffen steht, liegt meist unter einem Prozent.
Kann ich Wirkstoffe aus verschiedenen Marken mischen?
Ja, die Formeln sind nicht aufeinander angewiesen. Wichtig sind Reihenfolge von dünn nach dick und die Kombinationen, die sich nicht vertragen.
Passende Produkte dazu
Diese drei passen zum Thema dieses Beitrags. Wenn du unsicher bist, ob eines davon zu dir passt, frag mich vorher.
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Beratung per WhatsAppVon Matthias Schramm · Persönliche Pflegeberatung aus Dessau-Roßlau · Zuletzt aktualisiert im August 2026